Archiv für den Monat September 2017

Wahljahr – Der Unterschied zwischen Staat und Bürger

Als ich wegen einer Schrottimmobilie eine Privatinsolvenz anmelden musste, sah die Praxis folgendermaßen aus:
Mein Gehalt wurde bis zum Limit weggepfändet, mein Auto musste ich zum Zeitwert zurückkaufen, und eine Rückzahlung vom Finanzamt war ebenso weg wie meine für später gedachte Lebensversicherung. Nach sechs Jahren durfte ich zwar mein Geld wieder behalten, aber dank des Schufaeintrages war ich auch weitere vier Jahre noch kreditunwürdig. Egal wie viel Geld auf meinem Konto monatlich einging, ich bekam nicht mal eine Visakarte. Eigentlich wären es nur drei Jahre danach, aber da meine Insolvenz Anfang Januar begann und auch abgeschlossen wurde, sind für mich vier Jahre draus geworden. Die Zeit zählt nämlich erst ab dem Folgejahr der abgeschlossenen Insolvenz. So will es das Gesetz.

Ich will mich nun nicht über die Insolvenz beklagen, denn niemand hat mich damals gezwungen, die Immobilie zu kaufen, auch wenn von Seiten der Bank vieles nicht so gelaufen ist wie es hätte laufen müssen.

Gleichwohl stelle ich fest, wie unterschiedlich auch hier die Handhabung ist zwischen Otto Normalverbraucher und dem Staat. Seit Jahrzehnten wird uns erzählt, wie sehr wir sparen müssen in Deutschland, weil wir so schrecklich überschuldet sind. Die Abschaffung des Solidaritätszuschlages wird schon gar nicht mehr erwähnt. Wer sich seit 27 Jahren mit dieser „vorrübergehenden Zahlung“ arrangiert hat, kann das auch auf Dauer. Steuersenkungen oder dem Lebensstandard angepasste Rentenerhöhungen? Nee, das geht ja gar nicht. Immerhin müssen wir ja nachdenken, wie wir diesen massiven Schuldenberg abbauen den wir haben.  Also wird gespart. Natürlich auf dem Rücken der Bevölkerung. Und wenn es dann tatsächlich ein Jahr gibt, in welchem die Regierung keine neuen Schulden aufnehmen muss, dann klopfen sich die entsprechenden Politiker auf die Schulter und lassen sich feiern.

Wahljahr

Wenn ich allerdings nebenstehende Zeitungsnotiz sehe verstehe ich die Welt nicht mehr. Zumal wenn ich den Grund lese, warum das Geld woanders hingeht. Wenn wir schon von unserem Gesparten nicht selbst profitieren, wieso ist es dann nicht selbstverständlich, dass davon Schulden bezahlt werden? Und wo kommt der bereits vorhandene Puffer von 12,8 Milliarden her? Da drängt sich mir tatsächlich der Gedanke auf, dass wir schon seit Jahren prima gespart haben, ohne etwas davon zu ahnen oder zurückzubekommen.

Ich kann derzeit die vielen Phrasen der Politiker nicht mehr hören und hoffe, dass die Wahl bald vorbei ist. Es ist mir tatsächlich noch niemals so schwergefallen, dass für mich kleinste Übel bei der Wahl herauszufinden, weil ich keiner Partei mehr glauben kann. Und leider ist nichts so schwer wiederzufinden wie verlorengegangenes Vertrauen.